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Bericht vom Internationalen Workcamp Plavinas 17.6.-27.6.2007 zur Wiederherstellung des verlorenen jüdischen Friedhofs im Wald bei Plavinas

 18.6.

Der Friedhof in Gostini wird besichtigt und der Arbeitsumfang wird festgelegt. Ein grosser Baum ist über den Winter umgestürzt (zur Entfernung ist eine Motorsäge erforderlich). Überall liegen armdicke Äste, die entfernt werden müssen. Etwa fünf der geklebten Steine sind z.T. wieder gebrochen. Überall ist hoch Gras gewachsen. Unstimmigkeiten in der Karte und der Übersetzung sollen geklärt werden. Das Haus neben dem Friedhof soll freigelegt werden. Das Hinweiszeichen an der Strasse liegt im Wald und muss wieder aufgestellt werden.

Der Rest des Hauses wird abgesteckt. Das Feld wird in zwei Teile geteilt. Und mit Graben im vorderen Teil wird begonnen. Es sieht so aus, als ob spatentief Ziegelsteine liegen. Die Übersetzungen der Steine werden ergänzt, bzw. korrigiert.

19.6.

Die Übersetzung der noch fehlenden Grabsteine wird fast abgeschlossen. Etwa die Hälfte des Friedhofs wird von herabgefallenen Ästen und Laub befreit. Zwei schiefstehende Grabsteine werden aufgerichtet, bei den abgebrochenen wird entschieden, es morgen mit Zement zu versuchen.

Auf einem Grab finden wir zwei Kerzen und zwei Steine. Es ist also offensichtlich jemand dagewesen. Da dies ein Grab ohne Stein ist, muss dieser jemand eine Erinnerung an das Grab haben.

Der Wegweiser an der Strasse ist mutwillig abgebrochen worden.

Die Grabungen am Haus waren gestern leider zu schnell und zu unsystematisch. Deshalb liegen nicht mehr alle Ziegelsteine, wo sie gefunden wurden. Auf alle Fälle sind die vermuteten Mauerreste nicht vorhanden (es sind nur einzelne Steine). Auffällig ist, dass alle Ziegelsteine ohne Mörtelspuren sind (vielleicht handelt es sich dabei um den Fussboden? Das würde dann für ein Holzhaus sprechen, das auf den Granitsteinen als Fundamenten ruhte.). Zwischen den Steinen wird ein kleines Fläschchen gefunden (vielleicht 10ml – Medizin). Das Wurzelwerk erschwert die Arbeiten. Deshalb soll erst einmal eine Schnittgrabung erfolgen, bevor weiter in der Fläche abgetragen wird.

20.6.

Wir beschliessen die Grabsteine neu zu nummerieren und alle Gräber in die Nummerierung einzuschliessen. Die neue Nummer besteht aus einem Buchstaben für die Reihe und einer Zahl. Die Zahlen werden in blauer Schrift (Grösse etwa 4cm) auf der schmalen Nordseite angebracht. Die Listen müssen daher geändert werden, die Nummern der Fotos können bleiben.

Vor dem Schewjangrab ist unmittelbar vor unserem Besuch ein etwa 60 cm tiefes Loch gegraben worden. Auf dem Sand sind noch die Spuren des letzten Regens zu erkennen. Es sieht fast so aus, als habe jemand dort etwas gezielt gesucht.

Die Übersetzung der letzten Grabsteine wird abgeschlossen. Jetzt geht es noch darum, die Unklarheiten in der Karte zu beseitigen. Mit Meler wegen des Hauses telefoniert. Er nimmt an, dass in dem Fläschchen Medizin war, die man nutzte, wenn jemand während einer Beerdigung schlecht wurde. Zum Boden sagt er, dass Häuser oft nur einen Lehmboden hatten und es auch vorkam, dass die Steine des Fussbodens nicht mit Zement verbunden waren.

An einer Stelle werden Ziegelsteine über und unter eine Lehmschicht gefunden. Völlig unklar ist, warum die roten Ziegelsteine auf so unterschiedlichen Höhen liegen. Man könnte daraus schliessen, dass es sich um Bauschutt handelt. Dagegen spricht allerdings, dass kein Mörtel vorhanden ist und die Funde. Heute wird ein langer Zimmermannsnagel gefunden und eine Taschenschnalle. Die Schnittgrabung ergibt, dass ab etwa 30-40 cm nur noch Sand kommt. Das Haus hatte wie erwartet keinen Keller.

21.6.

Mit der Motorsäge wird der umgefallene Baum zerlegt und weggeschafft. Mit dem Rasentrimmer wird das Gras gemäht, in den meisten Teilen kann es liegenbleiben. Die übrigen Wege werden gereinigt. Die Bürgermeisterin wird noch einmal daran erinnert, dass diese gärtnerischen Arbeiten von der Schule in Plavinas übernommen werden sollten.

Die neue Nummerierung erreicht gerade „J6“. D.h. wir haben erst etwa die Hälfte erreicht.

Die Kontrolle der Karte wird abgeschlossen. Damit werden die Arbeiten am Friedhof für die Gesamtgruppe abgeschlossen. Für ein nächstes Camp bleiben noch ein paar Grabsteine, die mit Armierungen gesetzt, bzw. zusammengefügt werden müssen. Bei den ganz schlecht lesbaren Steinen ist zu überlegen, ob sie nachgeschlagen werden, um die Texte zu erhalten (da müsste Meler gefragt werden, ob das sein darf).

Das Hinweisschild an der Strasse wird erneuert, gesetzt und einfundamentiert.

Mit der Bürgermeisterin noch einmal über das Denkmal in Gostini gesprochen. Die Deputierten wünschen eine Skizze. Die dürfte aber nur schwer zu machen sein, wenn eine topographische Karte des Grundstücks fehlt und auch nicht durch Plavinas zu machen ist. Was die Funde angeht, zeigt sie sich nicht sehr interessiert. Vielleicht gehen sie wirklich besser an das jüdische Museum.

Am Haus ergibt sich ein überraschender Fund: im nördlichen Teil werden an der Ostseite die Fundamente aus Feldsteinen freigelegt. Sie stehen in einer Reihe mit den zwei Steinen, die in der Schichtgrabung im südlichen Teil östliche Seite gefunden wurden. Auf der Oberseite der Feldsteine sind kleinere Steine mit Zement befestigt. Da die Oberseite glatt ist, ist anzunehmen, dass darauf ein Holzhaus gestanden hat (das nach der Zerstörung in Privathäusern verfeuert worden ist).

Wenige Minuten später wird klar, dass von der Höhe der Fundamente vermutlich im ganzen nördlichen Teil Zementfussboden liegt, der wahrscheinlich praktisch unversehrt erhalten ist. Baumwurzeln erschweren das Freilegen, aber an zwei Stellen wird etwa ein Viertelquadratmeter komplett freigelegt. Dieser Fussboden liegt in etwa auf der gleichen Höhe wie die roten Ziegelsteine im Südteil (Teile sind durch Wurzeln angehoben, bzw. auf dem sandigen Untergrund abgerutscht. Das könnte bedeuten, dass das Haus zwei Räume gehabt hat. Auf der rechten Seite ist offensichtlich ein Anbau (vielleicht der Eingang?) aus gemauerten Ziegelsteinen gewesen. Feldsteine in einer Reihe werden auch auf der ganzen nördlichen Seite nachgewiesen.

Auf dem Zementfussboden werden verschiedene Glasscherben (grün, braun und weiss) gefunden. Es sind aber zu wenige, um daraus Schlüsse zu ziehen. Ausserdem werden mehrere Bleche (z.Teil mit Nägeln) gefunden, mit denen Stosskanten am Haus oder am Dach abgedeckt wurden. Ein Metallteil könnte Teil einer Türangel gewesen sein.

Es gibt wohl keine Zweifel mehr daran, dass wir das Haus wirklich gefunden haben. Eine spätere Untersuchung könnte vielleicht klären, ob es wirklich zwei Räume gegeben hat und ob beide vom Wärter genutzt wurden, oder einer zur Vorbereitung der Toten auf die Beerdigung. Die Funde sind zahlenmässig noch zu dürftig, geben aber vielleicht erste Hinweise: das Fläschen wurde im südlichen Teil mit den roten Ziegelsteinen gefunden, die Glasscherben im nördlichen Teil mit dem Zementfussboden.

Die grösste Kiefer, die auf der Fläche des Hauses steht, dürfte 60-70 Jahre alt sein. Das Haus dürfte demnach um das Jahr 1942 nach den Erschiessungen zerstört worden sein.

Hier sehen sie einige Bilder des Hauses:

 

25.6.

Bei der Neuzeichnung des Friedhofs in Gostini gibt es ein paar Unklarheiten, so dass nochmals eine kleine Gruppe dorthin fährt, um diese Unklarheiten zu beseitigen.