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Internationales Workcamp vom 28. Juni bis 8. Juli 2009

28.06.2009
Anreisetag: die Busgruppe hatte erhebliche Verspätung, weil in Polen eine Rallye die Durchfahrt behinderte. Da das Quartier gut 6 km vom Friedhof entfernt liegt, haben wir erst eine kurze Besichtigung in der Dämmerung machen können.
Der Friedhof ist deutlich grösser (Fläche und Menge der Steine), als im Februar im Schnee vermutet werden konnte. Es gibt offensichtlich zwei Teile, direkt an der Strasse ein kleinerer und der grössere oben auf der Höhe. Eine Struktur ist durch das dichte Unterholz nicht zu erkennen. Wir werden morgen vor allem Macheten, Beile und Sägen brauchen.

29.06.2009
Der Herr von der Stadtverwaltung, der uns das Werkzeug zur Verfügung stellen wollte, kommt nicht wie vereinbart um 8 Uhr, sondern erst zwei Stunden und etliche Telefonanrufe später. Immerhin will er dann eine halbe Stunde später Werkzeug zum Friedhof bringen.
Da wir selber zwei Sägen mithaben und man das Unterholz auch mit Handschuhen ausreissen und loses Holz wegtragen kann, fahren wir zum Friedhof und beginnen. Und eine halbe Stunde später kommt tatsächlich etwas Werkzeug (aber immerhin Motorsäge und Trimmer). Dafür wird alles bei Arbeitsschluss wieder abgeholt.
Wir beginnen im oberen Teil in der Mitte. Es stellt sich schnell heraus, dass fast alle Grabsteine mit Sockel lose sind und zu unserer Sicherheit erstmal flachgelegt werden müssen. Wir werden eine ganze Menge Zement brauchen.
Relativ viele Bäume sind abgestorben und müssen gefällt werden. Eine schrägstehende Kiefer und eine Birke werden trotz ihrer Schräglage wohl stehen bleiben. Anstelle der Birke würde ein mächtiger Stumpf mitten auf einem Grab stehen bleiben. Mit dem Auslichten verschwinden zum Glück einige der tausend Mücken.
Es gibt einen vergessenen Holzstapel und mehrere Haufen eingesammelter Äste, zahlreiche Handschuhe und einige Plastikflaschen. Diese Arbeiten können aber schon ein paar Jahre her sein.
Eine erste Durchsicht ergibt, dass die Texte der Grabsteine anders abgefasst sind als auf den bisherigen Friedhöfen („unsere Mutter“, „unser Vater“). Es gibt auch mindestens einen Grabstein mit Schreibschrift. Neben hebräisch kommen auch deutsche und lettische Aufschriften vor, teils auch kombiniert und manchmal steht in den verschiedenen Sprachen Verschiedenes. Im unteren Teil gibt es am Anfang einen christlichen(!) Grabstein (allerdings zerbrochen). Einige Steine sind von beiden Seiten beschriftet. An einem Grabstein hat jemand mit roter Farbe versucht, die Schrift deutlicher zu machen (das kann auch nicht ganz lange her sein). Offensichtlich sind zahlreiche Grabsteine wie auf den bisherigen Friedhöfen geklaut worden. Daneben gibt es viele Gräber ohne Grabsteine. Mindestens ein Grab ist aufgebrochen. Auf einem Grab finden wir ein Grablicht (vielleicht ein Jahr alt).
Einen Teil der Bodendecker werden wir nicht entfernen, wohl aber das Unkraut. Wir werden vermutlich einen Hauptweg in der Mitte des Friedhofs anlegen. Ein Ausgang wird unten an der Strasse gemacht (dort liegen zwei Gartentorpfosten) und einer an der nordöstlichen Seite. Unklar ist, was wir an der Verbindung der beiden Teile machen werden.

30.06.2009
Aufgrund einer Karte fällt uns auf, dass der Friedhof grösser gewesen sein muss oder grösser geplant war, als wir angenommen haben. Deshalb gehen wir noch einmal die Grenzen ab. Das Arbeitsfeld orientieren wir jetzt an den Grenzen der Karte. Das heisst, es wird zwischen dem oberen Teil und der Teil am Anfang ein freies Feld geben, in dem keine Gräber zu finden sind.
Unklar ist die Bedeutung der Bodensenke am hintersten Ende des Friedhofs.
Es wird weiter ausgelichtet und frei geräumt. Mitte und hinten sind fast fertig, vorne fehlt noch ganz viel. Es fehlt einfach an geeignetem Werkzeug. Nach einem weiterem Gespräch mit der Stadtverwaltung hoffen wir, dass morgen alles kommt, was wir zur Zeit brauchen.
Es scheint klar zu sein, dass wir für die Kartographierung die drei Teile (vorne, mitte, hinten) zugrunde legen und entlang des Hauptweges längs über den Friedhof anfangen.
Bei einem Grabstein fällt neben der hebräischen und deutschen Schrift eine kleine und kurze Bemerkung in russischer Sprache auf. Es sieht fast so aus, als ob der Steinmetz sich da verewigt hat. Dann wäre der Stein aus Mitau (Jelgava) und die Frage ist, wie er 1904 von Jelgava nach Talsi (über 100km) gekommen ist.
Auf dem Hauptweg haben wir knapp unter der Erde eine Grabumfassung gefunden, die von der Grösse her ein Doppelgrab sein müsste (so etwas haben wir noch nie gesehen). Es gibt keinen Hinweis darauf, warum sie auf Höhe des Erdbodens liegt. Wir werden wahrscheinlich die Innenseite einen Spaten tief ausheben, die Aussenseite im Erdboden lassen.
Eine erste Zählung der Grabsteine ergibt etwa 100 Steine und etwa die Hälfte davon muss befestigt werden. Wird das nur mit Zement gelingen? Andererseits ist Steinkleber bei der Menge zu teuer. Es gibt Steine, die sich in Fundament, Sockel und Stein aufgliedern.
Es gibt einen Grabstein auf den Namen Hoffmann. Ist das die Verbindung zu dem Nachbarn Hoffmann, der zwei Cousinen in Bergen-Belsen verloren hat?
Ein Grabstein ist datiert von 1950. Es gibt mehrere aufgebrochene Gräber. Es ist der Eindruck, dass hier keine oder kaum Steine verborgen sind. Was fehlt ist abtransportiert worden.
Bei dem Gespräch mit der Stadtverwaltung kommt heraus, dass es in Talsi zahlreiche Juden gibt. Ein Israeli ist neu zugezogen und wird als Sponsor empfohlen. Wir werden am kommenden Dienstag um 16.00 Uhr eine Abschlussfeier machen.

01.07.2009
Das versprochene Werkzeug und Zement und Sand kommen tatsächlich überpünktlich (obwohl es die Verwaltung Laidze, wo der Friedhof liegt, seit heute nicht mehr gibt und Talsi zuständig ist).
Der Besuch beim Herrn Hoffmann ergab, dass er nichts aus Talsi ist und über den Friedhof nur weiss, wo er liegt und dass es oberhalb im Wald ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus (für über 2000 Opfer aus dieser Gegend) gibt. Es ist aber richtig, dass zwei Cousinen von ihm in Bergen-Belsen umgekommen sind. Er sagt, dass es in Talsi ältere Juden gibt, die über die Geschichte des Friedhofs etwas erzählen können. Der jetzige Vorsitzende der Gemeinde ist aus Kuldiga und kann deshalb wohl nur wenig erzählen.
Von Gita kommt die Information, dass man in Riga nichts von älteren Juden in Talsi weiss. Nur der schon erwähnte Israeli sei als unangenehm bekannt und nicht unbedingt zum Vorteil der jüdischen Gemeinde. Über den jüdischen Friedhof steht in alten Zeitungen, dass man dazu aufgerufen hat, den jüdischen Friedhof vollständig zu zerstören. Es ist unbekannt, warum das nur zum Teil erfolgt ist.
Wir finden jetzt doch an verschiedenen Stellen im mittleren Hauptfeld des Friedhofes verborgene Grabsteine (heute insgesamt fünf), die knapp unter der Erdoberfläche lagen.
Dabei fällt ein Stein durch seine extreme Dünne auf (ca. 4cm dick). Wir stellen fest, dass es in der selben Ecke mindestens einen weiteren Stein dieser Stärke gibt.
Bei einem dritten dünnen Stein stellen wir fest, nachdem das Moos entfernt wurde, dass dieser Stein „runderneuert“ wurde. Das heisst, über einen Stein ist eine dünne Schicht gezogen und der Stein wurde neu beschriftet (?). Man kann die Bruchkante zwischen oberer Schicht und Stein erkennen. Es ist unklar, was da passiert ist. Das wird noch zu untersuchen sein, wenn der Stein ganz abgetrocknet ist.
Es fällt eine grosse Formvielfalt bei den Steinen auf, wie wir sie auf keinem der bisherigen Friedhöfe gefunden haben.
Es gibt deutlich mehr aufgebrochene Gräber (in allen Bereichen des Friedhofs) als wir zunächst gesehen haben, allerdings weniger als in Gostini.
Im hinteren Teil gibt es ein Grab das von zwei etwa ein Meter hohe Säulen an der Südseite flankiert ist. Wir vermuten, dass die zwei Säulen auf der anderen Seite fehlen und das Grab ursprünglich von einer Kette eingezäunt war.
Grosse Aufregung, weil zwischen einem Sockel und einem umgefallenen Grabstein eine äusserlich intakte Granate(?) gefunden wird. Wir sichern die Fundstelle und die Arbeiten im Umkreis von 15m werden eingestellt. Die Polizei wird benachrichtigt. Sie geht erheblich sorgloser als wir mit dem Fund um. Schliesslich wird der Fund in der Hand in den Polizeiwagen getragen und zur Sprengung weggefahren.
Wir werden den Weg zum Eingang an der nordöstlichen Seite zum Hauptzugang machen und dort mit Baumstämmen ein Tor gestalten (am Montag). Der andere Eingang unten wird Nebeneingang und durch die beiden Pfosten markiert.
Wir beginnen mit der Aufstellung der umgefallenen beziehungsweise aus Sicherheitsgründen umgelegten Grabsteine. Einige machen uns durch ihr Gewicht zu schaffen. Ein in drei Teile zerbrochener Stein wird mit Zement geflickt und aufgestellt.
Der Hauptweg ist vom mittleren Feld fast bis auf die Hälfte nach vorne fertig.
Die Kartographen vermessen den Friedhof anhand der Karte und machen eine erste Skizze. Leider sind die Grabreihen doch nicht so eindeutig, wie wir zunächst vermutet haben. Es gibt in den Randbereichen viele Gräber ausserhalb der Reihen.

02.07.2009
Nach dem Gewitter über Nacht ist alles feucht und die Mücken sehr zahlreich.
Die Vermessung des Friedhofs geht weiter. Alle Gräber mit beschriftetem Stein bekommen eine vorläufige Nummer. Die Nummern beginnen im unteren Feld und gehen bis zum hinteren Feld. Die Gräber, die danach entdeckt werden bekommen eine fortlaufende Nummer, egal wo sie liegen. Wir entdecken mehrere Kammern mit seitlichem Text oder an einer Front. Die letzte vergebene Zahl ist heute 110. Das Aufstellen auf einen Sockel bringt viel Arbeit mit sich, da zuerst der alte Zement abgeschlagen werden muss. Beim Aufstellen eines sehr schweren Steins gibt es leider einen Unfall (der erste in fünf Jahren), der im Krankenhaus behandelt werden muss (offene Wunde an zwei Fingern).
Janis Billers taucht auf (laut Gita ein Freund der jüdischen Gemeinde). Er fragt sehr umständlich, ob wir an einer (seiner?) Feier zum Gedenktag am 4. Juli teilnehmen am Mahnmal für die Opfer des Faschismus etwa 300m oberhalb im Wald. Er würde gerne das Unkraut am Mahnmal beseitigt haben und die kleinen Bäume. Eine Kleingruppe erledigt diese Arbeiten schon heute fast vollständig.
Für die Feier schlägt er vor, dass wir Steine mit aufgemalten Herzen in Herzform vor dem Mahnmal niederlegen. Wir schlagen ihm vor, dass wir nur Steine auf das Mahnmal legen möchten.
Er geht davon aus, dass am Mahnmal über 2000 Opfer aus der ganzen Gegend beerdigt sind. Es ist fraglich, ob das an der Stelle möglich ist.
Er versucht einen Kontakt zu einer 90-jährigen Lettin (sie hat inzwischen mitgeteilt, dass sie nicht mit uns reden möchte) und drei 80-jährigen Jüdinnen herzustellen.
Nach der Arbeit besichtigen wir zwei Friedhöfe in der Nähe: In Valdemarpils sehen wir, wie eine Restaurierung nicht gemacht werden sollte. Man hat etwa 10 Steine vom Friedhof am Rand in einem Kreis aufgestellt. Bei einem kurzen Rundgang sehen wir drei weitere Steine und zwei Grabkammern. Es macht keinen Sinn, die 10 Steine zurück auf den Friedhof zu bringen. Und es macht auch keinen Sinn, die fünf Steine in den Kreis zustellen.
In Sabile gibt es einen kleinen Friedhof hinter dem Fernsehmast. Man betritt den Friedhof durch zwei Türme (vielleicht 2,50 m hoch) am Eingang. Er wird von einer Mauer umgeben, die fast vollständig erhalten ist. Es gibt eine grosse Grasfläche und etwa 50 Grabsteine, dazu in der Mitte ein kleines Haus, das vielleicht mal zu Aufbewahrung der Toten genutzt wurde, jetzt aber zugemauert ist. Viel Mäharbeiten, ein bisschen Auslichten, ein paar Grabsteine aufrichten, vielleicht die Mauer reparieren, Lageplan und Dokumentation der Steine.

03.07.2009
Janis Billers macht heute mit.
Es wird weiter aufgeräumt, vor allem im vorderen Teil. Der Hauptweg dort wird nicht wie geplant gerade gezogen, sondern er wird dem alten Trampelpfad folgen.
Es werden weiter Grabsteine aufgerichtet. Wir müssen allerdings auch einige wieder umlegen, da der Zement – vor allem bei Mamor – nicht die nötige Festigkeit bietet. Die Alternative Steinkleber ist uns im Moment zu teuer. Deshalb werden wir Steine mit Sockel nicht verbinden. Wir kennzeichnen Stein und Sockel mit der gleichen Nummer und achten darauf, dass alles lesbar ist.
Die Grabsteine bekommen ihre endgültige Nummer in roter Farbe auf der Südseite der Steine. Mit dem kleinen Pinsel sieht das deutlich besser aus, als der dickere von Livani.
Die Dokumentation wird fortgesetzt. Es ist sehr erstaunlich, wie gut der Rasierschaum manche Schriften wieder hervorholt. Bei vier Steinfragmenten finden wir erst nach der Lesbarmachung heraus, dass jeweils zwei zusammen einen Stein bilden (sie lagen allerdings auch nicht unmittelbar nebeneinander). Steine, die von beiden Seiten beschriftet sind (eine hebräische, die andere deutsch), werden zweimal mit gleicher Nummer abgelichtet. Der deutliche Unterscheid von Sonnenlicht und Schatten macht Probleme auf den Bildern, sodass wir erstmals Jacken benutzen, um den ganzen Stein im Schatten zu haben.
Es ist heute der Tag der Funde: es werden sowohl an Kopf oder Seite beschriftete Grabkammern als auch Steine knapp unter der Erde gefunden. Die letzte vergebene Nummer ist jetzt 128. Nachdem unsere erste Vermutung war, dass wir kaum Funde machen, gehen wir jetzt davon aus, dass noch 20 Steine verborgen sein könnten.
Billers sagt, dass insbesondere im vorderen Teil Zerstörungen stattgefunden haben. Das würde erklären, warum dort die wenigsten Steine stehen. Es könnte aber auch bedeuten, dass wir dort noch einige Fragmente oder Fundamente finden werden.
Eine Zeitung aus Talsi schickt drei Reporter/Fotographen. Wir zeigen ihnen einige besonders eindrucksvolle Funde. Bei solchen Gelegenheiten zahlt sich der lettischer Flyer aus. Die Zeitung wird auch vom Abschluss am Dienstag berichten. Billers erzählt, dass am Dienstag nach unserer Feier eine Tafel an der alten Synagoge in Talsi angebracht wird.

04.07.2009
Es wird weiter aufgeräumt. Die Aufgabe ist einfach riesig. An manchen Stellen liegt das rundherum aufgeschichtete Material 1,50 m.
In der Zeitung erschien heute ein Leitartikel über unsere Arbeiten. Aufgrund des Artikels erscheint eine Frau, die vor zwei Jahren das letzte Mal auf dem Friedhof war und sichtlich beeindruckt ist.
Auch heute werden zahlreiche beschriftete Grabkammern und Steine gefunden. Die Zahl erreicht 159.
Seltsam ist die Situation an Stein 22. Das Fragment hatte offensichtlich eine Metallplatte als Aufschrift (zwei Schrauben stehen noch hervor). Das Fragment davor hat nichts mit dem Stein zu tun. Es enthält nur „Aron S“ und reicht ziemlich tief in den Boden (wie kommt es dahin?). Das davor gefundene Fragment (liegt jetzt rechts daneben) hat mit keinem der Steine etwas zu tun.
Stein 21 ist einer der grössten überhaupt und enthält unendlich viel Text. Leider ist er oben etwas zerstört.
Bei der Dokumentation gibt es Schwierigkeiten mit den Grabkammern, weil bei manchen der Text so weit unter die Erde reicht. Dazu ist der Beton oft sehr verwittert, vermoost oder schwer zu reinigen.
Stein 38 kann wegen Unfallgefahr zur Zeit nicht aufgestellt werden. Zu sehen ist zur Zeit nur der deutsche Text „Hier ruht ein Menschenfreund, von vielen tief beweint, in voller Manneskraft, den Seinen jetzt entrafft.“ Diese Situation ist im Moment bei vielen beidseitig beschrifteten Steinen gegeben. Beide Seiten sind aber dokumentiert.
Die meisten Steine sind dokumentiert (insgesamt 8 Dosen Rasierschaum) und mit dauerhaften Zahlen versehen.
Im vorderen Teil finden wir ein massives Metallstück (keine Handgranate), das wahrscheinlich mal Verzierung auf einem Zaun war. Das werden wir am Dienstag den Vertretern der jüdischen Gemeinde geben.
Nach der Feier am Denkmal für die Opfer des Faschismus sprechen wir mit einer der älteren Frauen. Sie berichtet, dass im Jahr 1941 (oder 1942) in Talsi die Meinung aufkam, der Friedhof müsste zerstört werden. Nur drei Familien konnten nach Russland fliehen. Beerdigt wurde auf dem Friedhof bis in die 50er Jahre (danach auf dem städtischen Friedhof). Beidseitig beschriftete Grabsteine sind ihrer Meinung nach von besonders reichen Familien. Der Arzt (Stein 102) wollte, dass Lettland sich Russland anschloss und wurde deshalb erschossen (1919). Den christlichen Grabstein hält sie für eine Entsorgungsmassnahme. Von einem möglichen Grab für die Opfer nordöstlich des Friedhofs weiss sie nichts.

05.07.2009
Ruhetag

06.07.2009
Heute wird das Eingangstor hergestellt und gesetzt. Der Haupteingang wird an der Seite in nordöstlicher Richtung sein. Deshalb muss der Berg an Ästen dort beseitigt werden (hätten wir das eher gewusst!). Unten an die Strasse wird ein Wegweiser kommen. Dort wird auch ein Nebeneingang sein, den wir aber nicht besonders ausweisen werden. Die beiden Betonpfosten (eigentlich nur einer, der gebrochen ist), die wir dort gefunden haben, sind offensichtlich auch nur entsorgt.
Bei der Dokumentation fällt auf, dass eventuell einige Nummern ausgelassen sind. Wir haben jedenfalls deutliche Schwierigkeiten die Steine ab 103 wieder aufzufinden, weil sie über den ganzen Friedhof verstreut sind. Das letzte Bruchstück, das wir mittags finden ist die 168. Wahrscheinlich gibt es noch mehrere Grabkammern mit Beschriftungen, die völlig überwachsen sind, oder die Grabkammer liegt zu tief in der Erde.
Die dauerhafte Nummerierung scheint abgeschlossen. Der Lageplan ist noch nicht fertig.
Einige Steine werden einzementiert, und einige mit Zement repariert. Der christliche Stein wird geflickt, das wir vom letzten Jahr noch einen Rest Zwei-Komponenen-Kleber gefunden haben.
Der Hauptweg wird von der Mitte aus zum nördlichen Ende gezogen und ein Teil des Weges zum Haupteingang gemacht. Ansonsten wird versucht das ganze Gelände zu harken und von Resten zu räumen.
Rechts neben dem Haupteingang finden wir eine grössere gegossene rechteckige Anlage, eigentlich wie eine Grabeinfassung. Sie ist aber für ein Grab viel zu klein. Merkwürdig auch der Stein im Boden an der westlichen Seite dieser Anlage.
Gegen Mittag tauchen zwei Erwachsene aus Talsi auf, die mithelfen wollen (das ist das erste Mal überhaupt). Da wir sowieso zu wenig Werkzeug haben, ist das schwierig. Aber wir tauschen Adressen aus und sagen, dass wir sie gerne für das nächste Jahr einplanen möchten. Es ist gut zu wissen, dass es in Talsi Menschen gibt, die sich für den Friedhof verantwortlich fühlen. Bei solchen Gelegenheiten macht sich der lettische LOT-Flyer sehr gut. Wir sind sehr gespannt, wieviele Menschen morgen zur Eröffnung auftauchen werden.

07.07.2009
Regen erschwert heute die Arbeiten. Der Boden ist wenig aufnahmefähig und es wird glitschig.
Letzte Aufräumarbeiten, insbesondere am Haupteingang. Der Weg vom Haupteingang auf dem Friedhof wird verbreitert. Es werden zwei Hinweise an der Strasse aufgestellt, bzw. befestigt.
Trotz der Schwierigkeiten durch den Regen werden noch drei Steine bzw. beschriftete Grabkammern gefunden. Einer davon kann aufgestellt werden. Ausserdem wird ein grösseres Bruchstück von Stein 105 gefunden. Wahrscheinlich liegt noch ganz viel unter der Erde.
Die Dokumentation muss heute mit Kreide unterstützt werden, da der Rasierschaum ausgegangen ist. Auch die Papierzahlen müssen zum Teil durch Kreideaufschriften ersetzt werden. Wir hoffen, dass die rote Lackfarbe der dauerhaften Ziffern hält.
Nachmittags findet die Abschlussfeier mit VertreterInnen der jüdischen Gemeinde Riga und der Stadtverwaltung Talsi statt. Es ist auch der Israeli Harry Talberg (spricht sehr gut deutsch) da, der vielleicht jemand in Israel bewegen kann, für einen Zaun um den Friedhof zu spenden. Der Bürgermeister ist ziemlich beeindruckt und sagt, wer die Vergangenheit nicht kennt, hat keine Zukunft. Von den Gästen erzählt jemand, dass er noch vor 14 Tagen auf dem Friedhof war, und der Friedhof ist jetzt völlig verändert. Ein anderer Gast erzählt, dass vor drei vier Jahren eine Gruppe einen Tag auf dem Friedhof loses Holz eingesammelt hat (entspricht genau unserer Beobachtung vom 29.06.). Der Film von der Eröffnung kann auf www.talsutv.lv eingesehen werden, sobald die Seite umgestaltet ist.

08.07.2009
Abreisetag

Teilnehmer
Klaus-Peter Rex
Reda El Scherif
Reimund Jonen

Lasma Zeipe (LV)
Agnese Ziemele (LV)
Andra Avotina (LV)
Janis Prisjagins (LV)
Julia Willing
Darius Dreyer
Hannah Worringer
Katjana Leege
Gerrit Heinmüller
Nils Wessel
Sven Dylla
Maurizio Vierveijser
Tatjana Hartung

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Die WZ berichtet hier über das Camp in Talsi.