Camp 18.-27.07.2026 Saistkalne
18.07.2026 Samstag Reisetag
Flug DUS-WAW und WAW-RIX. Leider dauerte die Gepäckausgabe in Riga sehr lange. Aber wir waren dann schnell in Barbele. Das Gebäude und die Unterbringung waren sehr gut. Wir haben uns dann noch schnell den Friedhof angesehen. Der Friedhof liegt direkt neben einem christlichen Friedhof. Der erste Eindruck war sehr enttäuschend, weil wir wenig gesehen haben. Am Abend ein schweres Gewitter und leider hat es in der Unterkunft an verschiedenen Stellen reingeregnet.
19.07.2026 Sonntag
Wir schlagen vor allem Vegetation raus, um Sichtachsen zu schaffen. Am Eingang finden wir eine verrottete Bank, die wir durch 7 Bretter neu gestalten werden. Am Eingang bietet sich ein Baum an, um dort einen Davidsstern anzubringen, damit man den Friedhof von der Strasse erkennen kann. Wir finden dann doch an verschiedenen Stellen einzelne zerbrochene Steine, die sich aber reparieren lassen.
Von der Stadtverwaltung benötigen wir einen Rasencutter. Wir brauchen noch Holzspäne für die Wege. Leider ist die Wetterprognose nicht so gut: viel Regen.
Am Nachmittag fahren wir zum Schloss Rundale. Danach holen im im Baumarkt noch zement, Materialen für die Sitzbank und den Davidstern.
20.07.2026 Montag
Immerhin kommt gegen 10:00 jemand von der Stadt.Er wohnt neben dem Friedhof. Von ihm bekommen wir einen Rasencutter. Und wir können ihn auch morgen ausleihen.
Angesichts des vorausgesagten Regens stellen wir einige Steine auf und zementieren sie, in der Hoffnung, dass der Regen das nicht zunichte macht. Für den zerbrochenen Stein gibt es eine Idee, wie das klappen könnte.
Ansonsten wir viel abgeschnittenes Strauchmaterial rausgetragen. Die alte Sitzbank wird demontiert. Um 10:30 müssen wir wegen Regen aufhören. Aber wir finden das Rathaus in Saistkalne und die Sekretärin spricht auch englisch. Sie telefoniert mit einem Sägewerk und die wollen am Mittwoch um 09:00 500 kg Rindenmulch liefern. Am Rathaus können wir eine Schubkarre abholen.
Nachmittags kaufen wir im Baumarkt das ein, was uns noch fehlt. Auf dem Rückweg kommen wir in einen Wolkenbruch, wie wir ihn noch nicht erlebt haben. Neben unserem Auto spritzt das Wasser mehr als zwei Meter hoch.
21.07.2026 Dienstag
Heute kein Regen. Bis auf einen Stein sind alle gestern zementierten fest. Wir flicken den grossen zerbrochenen. Wir stellen weitere Steine auf. Es wird eine 3D-Karte gemacht. Der Friedhof ist insgesamt vermessen und Der Skizze des Lageplan ist erstellt. Bei der Grabumrandung mit Beschriftung an der Westseite legen wir dieses Ende frei.
Der Davidstern wird aufgehängt. Die Bank fertig zusammengeschraubt und gestrichen. Ein Mann vom Sägewerk kommt wegen der Lieferung für morgen vorbei. Leider ist der Rasencuttermann heute nicht zu erreichen.
Nach der Arbeit nehmen wir eine Einladung von Pfr. Andrejs Medins, dem Gründer der Schule in der wir übernachten, an, der uns seine Kirche in Saistkalne zeigt und eine Menge über die Geschichte der Juden im Ort erzählt.
22.07.2026 Mittwoch
Der versprochene Rindenmulch entpuppt sich als Sägemehl, das wir nicht brauchen können. Aber dann kommt vom Rathaus eine junge Praktikantin, Esther, die Schubkarren mitbringt und Rindenmulch organisiert. Ausserdem wird der Biomüll abgefahren. Sie bringt auch noch 140kg Zement mit und hat einen Vorschlag zur Verwendung der ungebrauchten Grabumrandung: wir nutzen sie als Hinweis auf das Projekt.
Der Davidsstern hängt durch und wird jetzt am rechen Baum am Eingang befestigt.
Im Gebüsch an der Ostseite finden wir noch mindestens zwei Steine. Die zementierten sind bis auf drei Ausnahmen fest. Der Rindenmulch reicht für die Wege. Die Bank kommt so auf die rechte Seite, dass von ihr aus der Friedhof übersehen werden kann.
23.07.2026 Donnerstag
Die Steine, die gestern noch nachgebessert wurden, sind heute fest. Auf der Ostseite sind es zwei Steine, einer davon ein heftiger Granitstein, der nicht aufgerichtet wird, weil auch kein Fundament zu sehen ist. Im Gebüsch liegt eine lange Steinsäule, die wir da belassen.
Fast alle Steine werden mit Kennzahlen versehen. Der schwere Sandlerstein wird jetzt auf B1 gestellt. Das ist nicht der richtige Platz, aber eine Möglichkeit ihn überhaupt aufzustellen (unten sind die Seiten abgebrochen) und beide Seiten sichtbar zu halten. Moshe Sandler ist laut Stein ein prominenter Bürger von Saistkalne gewesen.
Die Grabsteinumrandung für den Eingang ist fast fertig geworden. Wir werden Beschriftung mit Farbe machen.
Vom Rathaus kommt Laima (Vorzimmer vom Bürgermeister) mit alten Fotos aus den 90er Jahren. Der Wildwuchs auf den Bilder ist fast genauso, wie wir ihn vorgefunden haben. Die Hütte am Eingang ist schon genauso verfallen. Der Hausarzt von Saistkalne hat alle Steine abgeschrieben. Wir hoffen, dass wir davon eine Kopie bekommen. Es tut sich doch was im Rathaus.
Zwei interessierte Rentnerinnen mit E-Rollatoren vom benachbarten christlichen Friedhof erkundigen sich auf deutsch, was wir machen.
Esther kommt wie versprochen um 12:00 nach der Arbeit und arbeitet wieder mit.
24.07.2026 Freitag
Heute werden fast alle Restarbeiten gemacht. Verkalkuliert haben wir uns mit dem Stein am Eingang: der Beton wir nicht rechtzeitig hart, um ihn zu beschriften. Das muss eventuell am Sonntag passieren. Hinter dem Stein und auf der gegenüberliegenden Seite des Weges pflanzen wir blaue und weisse Wildblumen, sodass der Eindruck eines „Tores“ entsteht. Hinter der Bank werden ebenfalls Wildblumen geplanzt, um eine Abgrenzung zum christlichen Friedhof hinzubekommen.
Die Türen des Grabhauses werden gestrichen und der grosse Riss verputzt. Uns fällt auf, dass die Aussenlänge des Hauses gut 35 cm mehr ist, als die Innenlänge (ein Hohlraum? oder eine dickere Wand?). In dem Haus sind noch die Gestelle von zwei Bänken.
Die Beschriftung der Steine und die Fotodokumention wird abgeschlossen.
Nachmittags fahren wir nach Subate, um zu beurteilen, ob wir das im nächsten Jahr machen können. Der Friedhof ist in guter Ordnung. ein paar Steine sind gekippt, aber bei 200 Steinen gesamt ist das nicht. Der Rindenmulch der Wege ist überwuchert, aber die Begrenzung der Wege ist noch gut zu erkennen.
Unser Hauptauftrag war, zu überlegen, ob die Steine auf dem Hügel aufgestellt werden können. Von den 30 Steinen auf dem Hügel sind vielleicht 15 betroffen. Mit einer Arbeitsplattform und einer Halteschlinge könnte das gelingen. Wir schätzen, dass das ein Auftrag für 10-12 Personen und 10-12 Tage ist.
25.07.2026 Samstag
Wir fahren zum Berg der Kreuze in Litauen.
Eine kleine Gruppe fährt danach noch mal zum Friedhof, um die Aufschrift auf dem Stein am Eingang anzufertigen und die Blume dahinter zu kontrollieren. Leider sind die blauen ziemlich vertrocknet.
26.07.2026 Sonntag
Eröffnung des Friedhofs. Als wir ankommen wartet schon die Presse. Viele Fragen, auch an die Teilnehmer. Das erste Mal fragt jemand, wer das alles eigentlich finanziert. Der Kulturattache der deutschen Botschaft bringt Gita von der Jüdischen Gemeinde mit. Der Bürgermeister erscheint nicht, nur die Vertreterin. Der Direktor der Schule von Barbele kommt mit Frau.
Nach der Feier gibt es noch Kaffeetrinken an der Wallfahrtskirche. Dazu kommt auch Pfr. Andrejs Medins. Gita möchte gerne, dass wir 2027 in Ludza arbeiten. Der Friedhof hat möglicherweise mehr als 4000 Gräber, von denen die meisten völlig verwildert sind. Ein kleiner Teil wird von der Stadtverwaltung gepflegt. Dem steht die Anfrage von Dan Rubanenko entgegen.
Esther (LV), Lasse, Lijan, Tobi, Fin, Joel, Greta, Lucy, Frauke, Frantzi, Jana, Klaus