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Workcamp 2013 in Preili

Workcamp in Preili 30.07.-10.08.2013

 

30.07. Dienstag

Anreisetag, in Riga am Flughafen ist die ganze Gruppe mit Verspätung zusammen. Der Bus (aus Aizpute) ist da und kann von uns bis zum Ende genutzt werden. Die Fahrt gestaltete sich etwas schwierig, weil noch Geld getauscht werden musste und mindestens Getränke gekauft werden mussten.

Nach dem Abendessen waren wir noch auf dem Friedhof und ziemlich überrascht, dass in östlicher Richtung ein Teil ist, den wir bei der Vorbesichtigung im April nicht gesehen hatten (es lag hoch Schnee). Die Wege sind leider entgegen der Absprache nicht gemacht worden. Wir kommen überein, dass wir den Friedhof vom Mahnmal aus gestalten werden. Es scheint dann insgesamt doch mehr Arbeit zu sein, als ursprünglich gedacht.

 

31.07. Mittwoch

Tatsächlich kommen die Arbeitsgeräte um kurz vor neun, aber leider etwas zu wenig. Auch die Toilette wird gebracht.

Schnell wird klar, dass der Plan vom Friedhof nur ein Annäherungswert ist. Es sind Grabsteine zu sehen, die nicht verzeichnet sind. Wir werden zunächst drei Wege fertig stellen, den am Westrand des Friedhofs (zur Zeit ein Trampelpfad), den Hauptweg vom Mahnmal zum neuen Haupteingang und den ersten Querweg (West-Ost) von oben. Dabei fällt uns auf, dass ein Weg vom Hauptweg aus zum Querweg nicht ausführbar ist, weil zu viele Grabsteine im Weg sind.

Für den östlichen Teil des Friedhofs brauchen wir eine Motorsäge. Dieser Teil ist zu dunkel und muss ausgelichtet werden.

Die Wegearbeiten kommen sehr gut voraus, obwohl der Waldboden ziemlich verwurzelt ist. Bei einigen Sträuchern überlegen wir, ob wir sie nicht umpflanzen können (anstatt raus reissen), um z.B. den Durchgang zum Garagenhof (oben rechts) abzudecken. Deshalb werden einige ausgegrabene Sträucher zunächst in den Teich neben den Friedhof gesetzt und wir entscheiden dann, ob und wie sie neu eingepflanzt werden. Es wird auf dem ganzen Friedhof ausgelichtet.

Es fällt auf, dass es zahlreiche Steine in russischer Sprache gibt (mehr als auf den bisherigen Friedhöfen). Die Beschriftung ist in den meisten Fällen nicht eingeschlagen (Rasierschaum für die Sichtbarmachung der Schrift), sondern steht vor (Kreide für die Sichtbarmachung der Schrift.

Wegen starken Regens brechen wir die Arbeiten um 12:00 Uhr ab.

Wir nutzen die Zeit um das einzukaufen, was uns noch fehlt, Farbe und kleine Pinsel, Rasierschaum und Flitsche, Kreide.

01.08. Donnerstag

Die fehlenden Werkzeuge werden nachgeliefert, ebenso Müllsäcke, damit wir den Friedhof von Glas und Plastik reinigen können. Auch der Mann mit der Motorsäge beginnt.

Zunächst kommt eine grosse Gruppe Geschichtslehrer, die eine Tagung in Preili haben. Sie informieren sich über das, was wir tun und warum. Das Thema der Tagung war: wie unterrichtet man heute die Shoa in Lettland.

Wir fangen sofort an, neben der Fortführung der Arbeiten vom Vortag auch schon Grabsteine (sechs – zehn Stück mit unterschiedlichen Schwierigkeiten) aufzustellen. Im oberen Teil rechts werden zahlreiche Steine ganz oder halb unter der Erde gefunden und ausgegraben. Vielleicht kommen wir morgen dazu, das mit dem Plan zu vergleichen.

Dreimal wird ausgelichtetes Material abgefahren. Das Beladen des Anhängers bringt die übrigen Arbeiten etwas aus dem Takt.

Ein Stein wird ohne Beschriftung gefunden, aber trotzdem als Grabstein aufgestellt. Von den beiden Grabumrandungen nahe des Mahnmals deutet eins aufgrund der Grösse, auf ein Kindergrab hin. Dieses ist mit älteren mehrjährigen Bumen bepflanzt. D.h. vor nicht allzu langer Zeit muss noch jemand gelebt haben, der wusste, wer dort beerdigt ist. Die Umrandung enthält leider keine Hinweise. Wir finden einen sehr schmalen langen Stein aus 1925, dessen Beschriftung ursprünglich gelb angemalt war. Die Farbe ist auf der Seite, die unter der Erde lag noch sehr gut zu erkennen. Es werden zahlreiche neue Steine gefunden und die Struktur der Gräber in Reihen wird sichtbar, was auf der Karte so nicht unbedingt zu sehen war. Es ist noch nicht erkennbar, nach welchem System beerdigt wurde. Die Vermutung ist: Frauenfelder und Männerfelder und dann der Reihe nach. Dann wäre es natürlich auch sinnvoll, die Wege danach anzulegen. Das würde aber den Trampelpfaden widersprechen und würde ein deutlich längeres Camp erfordern.

Gegen Mittag kommt das Fernsehen für etwa eine Stunde und macht viele Aufnahmen, sowohl von der Arbeit, als auch Einzelinterviews.

Das bisherige Wegenetz ist gegen Mittag etwas mehr als verdoppelt. Im Gebüsch unterhalb des Mahnmals werden mehrere grössere Steine und ein Steinhaufen gefunden. Das macht nötig, dass das Gebüsch gegenüber dem Plan kräftig zurückgeschnitten wird, damit wir abschätzen können, ob es sich um Gräber handelt.

Gita meldet sich, die Wegearbeiten sind nicht gemacht, weil das Geld knapp ist. Der Architekt hat ihr gesagt, dass das unsere Arbeit nicht stören sollte. Wenn nötig, würde er jederzeit nach Preili kommen. Unserer Ansicht nach ist das nicht nötig. Die Baufirma aus Preili hat uns gesagt, dass wir uns frei fühlen sollten, was die Wege angeht.

 

02.08. Freitag

Aufgrund der starken Regenfälle war es am Vormittag unmöglich zu arbeiten. Wir haben dafür die Nachmittagsstunden genutzt.

Steine werden heute im 15min-Takt gesetzt, eine Riesenzahl. Einige Steine bereiten Schwierigkeiten, weil sie auf der Rückseite Natursteine sind, und deshalb grösser und schwerer sind. Wir finden einen Stein, der grün hinterlegt eine silberne Schrift zeigt. Die Vermutung Männerfelder und Frauenfelder scheint sich zu bestätigen. Oben rechts Frauen und links daneben Männer.

Heute wird der Hauptweg von der Mitte und von oben angefangen, aber der Plan des Architekten lässt sich dabei nicht durchhalten, weil Steine anders stehen, als eingezeichnet und weitere Steine dazu gekommen sind. Auch die Breite des Weges wird nicht zu schaffen sein.

Zwei Besuchergruppen kommen auf den Friedhof. Zu der einen gehört eine Frau, die ganz gut hebräisch kann. Sie erklärt sich spontan bereit, Steine zu übersetzen.

Vielleicht ist es doch sinnvoll unten zum Parkplatz wenigstens eine Abgrenzung zu machen, wenn kein Geld für einen richtigen Zaun da ist.

Es kommen mehr Zweifel auf, ob wir den Friedhof überhaupt schaffen, weil jetzt viele Arbeiten dazu kommen, die eigentlich von Firmen gemacht werden sollten.

 

3.8. Samstag

Heute ist deutlich zu sehen, dass die Gräber nicht wild verstreut über den Friedhof liegen, sondern in langen Reihen von oben an angelegt sind. Wir werden die Reihen mit Buchstaben versehen, beginnend mit A oben rechts und dann die Gräber mit fortlaufenden Nummern. Es gibt offensichtlich auch Reihen, die erst weiter unten beginnen. Viele Reihen sind nicht exakt geostet, sondern haben eine leichte Biegung.

Wenn die Belegung der Gräber von oben angefangen ist, stellt sich die Frage, was bzw. ob an der Stelle des jetzigen Mahnmals ursprünglich etwas gewesen ist. Irgendwo muss ja auch das Haus gestanden haben, in dem die Toten vorbereitet wurden. Vielleicht findet man in Preili ein paar alte Aufnahmen.

Es werden weiter unzählige Steine aufgerichtet. Auch unsere beiden Jüngsten setzen zwei Steine im Bereich des Hauptweges. Die Meinung bisher ist, dass die Steine durch Erosion umgefallen sind und nur in ganz wenigen Fällen vielleicht von Vandalismus auszugehen ist (z.B. bei den dreiteiligen Steinen, wenn ein Teil links und der andere rechts liegen). Immer wieder stossen wir unter der Oberfläche auf gemauerte Grabhäuschen, die aber nicht zu retten sind, weil sowohl die Steine als auch der Zement bei Berührung in der Regel zerbröseln.

Auch die Wegearbeiten kommen gut voran, leider gelingt uns heute nicht mehr der Zusammenschluss der drei angefangenen Teilstücke.

 

04.08. Sonntag

arbeitsfrei, aber wir besichtigen den Friedhof von Vishki (2008). Das Tor ist gemacht. Es ist auch sicher einmal jährlich gemäht, aber es sieht (für uns) etwas ungepflegt aus, weil neue Sträucher hochkommen.

Und wir treffen Martin Silins  aus Plavinas und überdenken mit ihm die Idee, 2015 zum 10. Jubiläum des ersten Friedhofs nach Plavinas zurückzukehren und das noch ausstehende Mahnmal (wenn das Geld nicht da ist eben ohne das Monument) zu erstellen und wenn nötig, etwas auf dem Friedhof zu tun. Das Monument könnte dann später noch auf dem Sockel angebracht werden. Der Friedhof sieht auf den aktuellen Fotos allerdings sehr gut aus. Plavinas kümmert sich offensichtlich beispielhaft um den Friedhof. Es fehlt nur ein Hinweisschild an der Umgehungsstrasse und eine Zuwegung für Fussgänger.

 

05.08. Montag

Die ersten beiden Wege werden verbunden. Die dritte Verbindung schaffen wir nicht ganz. Abgesehen davon, in welche Richtung wir in dieser Woche weiterarbeiten, werden wir für den Weg zu vorgesehenen Haupteingang einen Anfang machen.

Es wird noch einmal ausgeschnittenes Laub abgeholt. Das ist eigentlich schade, denn wenn morgen wirklich Schüler kommen, die möglicherweise deutlich jünger sind, brauchen wir für sie ein paar leichtere Arbeiten.

In dem von den Wegen abgeteilten Feld werden fast alle Steine aufgestellt, es beleiben allerdings noch die drei schwersten. In diesem Bereich sind auch alle Steine nummeriert und werden mit dauerhaften Nummern versehen. Es werden auch wieder Steine zufällig gefunden. Eine systematische Suche können wir angesichts der Grösse des Friedhofs nicht schaffen. Sollten später noch Steine gefunden werden, bekommen sie A-Nummern zum nächststehenden Stein. Da inzwischen Beton da ist, fundamentieren wir die Steine, die so nicht stehen bleiben würden. Die Steine, die unter der Erde lagen, aber ausgezeichnet erhaltene Schriften. Auf zwei Steinen findet sich ein Vogelmotiv. Ein Stein ist leider so unglücklich in einen Baum eingewachsen, dass wir ihn so stehen lassen müssen (nur wenig ist lesbar).

Wir haben morgen zwei Optionen, entweder weiter nach unten bis zur Strasse durchzuziehen. Das würde allerdings auch einen Zaun und ein Tor erfordern. Oder wir gehen weiter nach links und klären einen Streifen von ca. 10m von oben nach unten. Das hätte den Vorteil, dass der jetzt geschaffene Weg nicht auf der einen Seite von Wildnis begrenzt ist.

Für Morgen hat sich der Bürgermeister angekündigt. Er wird am Freitag bei der Zeremonie nicht dabei sind. Ausserdem kommen Zane und die Leiterin des Museums. Der Bürgermeister hat uns mittags zum Essen in ein Restaurant eingeladen. Mit ihm müssen wir abklären, was mit dem verbliebenen Teil geschehen soll (wir machen 2014 weiter, oder die Stadt regelt das alleine, oder: es passiert gar nichts).

Abends fahren wir noch nach Livani. Etwa 20 Steine sind umgestossen. Der Grillplatz ist wieder eingerichtet. Das Tor ist aufgebrochen. Das Schild am Eingang ist weg. Die Wege könnten wieder von Unkraut gereinigt werden. Einige Teiles des Zaunes sind erneuert worden. Wir haben offensichtlich die Steine nicht dauerhaft beschriftet. Der Zustand ist besser als Vishki, aber nicht gut.

 

06.08. Dienstag

Heute beginnt die fotographische Dokumentation. Die Zahlen im von den Wegen umsäumten Feld sind gemacht.

Gegen zehn kommen einige Letten: Zane und die Leiterin des Museums und noch eine Frau, später Alex und vier Mädchen.

Von den drei schwierigen Steinen werden zwei aufgestellt und zementiert. Sehr viele Fundamente, die von gestern als Aufgabe geblieben sind, werden gelegt. Die gestern zementierten Steine sind alle fest. Ausserdem gemacht werden Wege, vermutete Grabsteine ausgegraben und es wird an vielen Stellen aufgeräumt (geharkt).

Wieder kommen zahlreiche Leute, die interessiert sind.

Zu Mittag hatte der Bürgermeister die Gruppe zu einem Essen eingeladen. Es scheint ein ernstes Interesse an einer Weiterarbeit zu geben. Am jährlichen Erinnerungstag am Mahnmal geht man anschliessend über den Friedhof und stellt fest, dass er so eher ein Schandfleck ist. Es wird deutlich, dass sie bedauern, nicht mehr Geld zur Verfügung zu haben und auch nicht wissen, wie man es machen kann. Dass wir gerne mit lettischen Jugendlichen gemeinsam gearbeitet hätten, hatte man so nicht verstanden, möchte es aber im nächsten Jahr besser machen. Wir vereinbaren mit dem Bürgermeister einen Ortstermin Donnerstag 15:00 Uhr.

 

07.08. Mittwoch

Heute kommen wieder einige Letten, einige von der Stadt, einige freiwillig. Einer bringt sein Werkzeug mit und stellt wenig später fest, dass die Deutschen doch Recht hatten und es nach der Methode der Deutschen besser geht. Es ist ein Erfolg, dass offensichtlich einige Letten den Friedhof zu ihrem gemacht haben.

Es werden weiter Wege gemacht, geharkt, Wiese gemäht, Schriften lesbar gemacht und fotographiert. Dabei werden auch wieder Steine gefunden. Es ist ein Stein dabei, auf dem an zwei Frauen gedacht wird (Schwestern?).

Optisch ins Auge fällt natürlich der Eingang mit dem Davidsstern und der Zaun zu beiden Seiten. Der Eingang in der Mitte unten macht sich besser, als an der rechten Seite. Er kann von fast jedem Punkt des bisher freigelegten Friedhofs eingesehen werden.

08.08. Donnerstag

Heute kommen tatsächlich wieder ein paar lettische Mädchen, drei von Alex geschickte und zwei, die unsere Mädchen beim Volleyball angesprochen haben. Ausserdem Zane und die Direktorin vom Museum und eine weitere Frau.

Es bricht ein Grabstein-Fieber aus, fast alle wollen noch Grabsteine aufstellen. Auch lettische Mädchen machen mit (nicht nur Harken). Der „Mörderstein“ oben links kann nur geteilt aufgestellt werden: der Sockel neben das Fundament und der Rest auf das Fundament. Bei diesem Stein fällt auf, dass die Jahreszahl hinten 1916 ist und vorne steht offensichtlich 15. Ausserdem wird der Weg zum Haupteingang bis zur Grasnarbe durchgezogen und der Weg am rechten Rand angefangen. Das sollte morgen machbar sein. Der Zaun wird ergänzt.

In der Nähe des Mahnmals liegt noch ein Stein, der offensichtlich kein Grabstein ist. Wir möchten ihn nutzen, um dort zu verzeichnen, der den Friedhof saniert hat. Dazu sollen auch alle Vornamen aufgeschrieben werden. Dieser Stein wird quer zur üblichen Richtung stehen.

Der Bürgermeister kommt am Nachmittag. Er fragt zweimal nach 2014. Das scheint im wichtig zu sein. Er kann wegen einer Bezirkskonferenz morgen Nachmittag nicht.

Abends gibt es eine grosse Runde mit den beteiligten Letten.

Der Link zur Fernsehsendung: https://www.youtube.com/watch?v=H_dbRLOw6Jk

 

09.08. Freitag

Letzte Restarbeiten (z.B. noch ein Stein und die letzte Verbindung auf der rechten Seite) und grosses Aufräumen für die Gedenkfeier am Nachmittag (unsere Texte nachstehend). Es gibt viele Geschenke für unsere Gruppe.

Es kommen über 40 Personen, auch einige der Jugendlichen.

 

10.08. Samstag

Rückreisetag

 

Klaus-Peter Rex

Lasma Zeipe

 

Thekla Bertold

Pia Franken

Anika Göttsche

Hendrik Jung

Dagmar Köstens

Georg Köstens

Milan Müssgens

Toni Müssgens

Theresia Müller

Jelena Okunneck

Nils Weber

Carla Wefers

 

Zane Butlere

und weitere Lettinnen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit 2005 nehme ich regelmässig an Workcamps von LOT e.V. teil. Ich bin Gründungsmitglied und inzwischen Vorstandsmitglied. Das heisst, ich treffe Entscheidungen und organisiere mit.

 

Im April war ich bereits in Preili zum Vortreffen und bin mit gemischten Gefühlen wieder nach Deutschland geflogen. Spannend war, wie viele Mnschen an einen Tisch gekommen sind. Andererseits war für uns unklar, was auf uns zukommen wird. Positiv überrascht bin ich von der Unterstützung, die wir in den letzten Tagen von Preili und seinen Menschen erhalten haben. Uns ist deutlich geworden, dass unsere Arbeit geschätzt wird und dass der Friedhof und seine Geschichte eine Bedeutung für die Menschen hier haben.

 

Auch uns liegt die Zukunft dieses Stücks der Geschichte am Herzen. Wir haben Friedhöfe aus den Vorjahren besucht und langfristig wurde wenig daran gearbeitet, unsere Arbeit zu erhalten. Natürlich freuen wir uns, dass Preili uns gezeigt hat, dass es hier anders laufen kann.

 

Unser Workcamp bestand aber nicht nur aus Arbeit. Die Gruppe ist in diesem Jahr sehr zusammen gewachsen und wir freuen uns sehr darauf im nächsten Jahr von Anfang an auch Menschen aus Preili in unsere Gruppe aufnehmen zu können. Dieser Aspekt ist uns nämlich genauso wichtig, wie die Arbeit ansich.

 

LOT e.V. und wir als Gruppe des Camps 2013 in Preili bedanken uns und freuen uns auf 2014.

Anika

 

 

 

Mein Name ist Toni Müßgens. Ich freue mich, heute hier sein zu können und zum Abschluss unserer Arbeit auf diesem Friedhof auch noch einige Worte sagen zu können. Anders als die beiden anderen Redner, bin ich das erste Mal bei einem solchen Friedhofprojekt dabei. Mir hat es großen Spaß bereitet. Warum das so ist, möchte ich in wenigen Worten sagen:

Ich habe die Stimmung bei der Arbeit und den Kontakt zu den Menschen in Preili sehr genossen, weil mein Eindruck ist, dass dieses Projekt einen besonderen Zugang zur Geschichte vermittelt.

Von vornherein hat sich bei mir das Gefühl vermittelt, dass ein Zugang zur eigenen Geschichte in diesem Projekt auch Spaß machen darf – Spaß im Camp, Spaß bei der Arbeit und natürlich auch Spaß dabei ein so schönes Land kennen lernen zu können. Ich bin zum ersten Mal in Lettland.

Wenn einem etwas Spaß macht, stellt sich meiner Ansicht nach automatisch eine Beschäftigung mit der Geschichte ein. Bei der Arbeit werden wir mit der geschichtlichen Materie konfrontiert. Wir nehmen sie regelrecht noch einmal in die Hand. Wir arbeiten an ihr, indem wir auf dem Friedhof arbeiten: Wir richten Steine auf. Wir buddeln im Grunde genommen in der Vergangenheit. Außerdem malen wir uns aus, welche Geschichten wohl hinter den Grabsteinen verborgen stehen könnten.

Jeder macht das in seinem persönlichen Rhythmus. Anders als in der Schule folgen wir nicht den Anweisungen eines Lehrers, der einem zum Beispiel aufgibt etwas auswendig zu lernen. So findet jeder sein persönliches Tempo und letzten Endes seinen persönlichen Zugang.

Manchmal überkommt einen dabei sicher auch ein komisches oder mulmiges Gefühl. Nichtsdestotrotz wäre die Beschäftigung mit dem Thema der Judenverfolgung nicht möglich, wenn das Lernen nicht auch Spaß machen dürfte.

Ich glaube, dass Interesse und Begeisterung den Spaß als Motor benötigen. Ansonsten fühlt man sich schnell, als sei man im Schulunterricht eines schlechten Geschichtslehrers. Danke.

 

Nach fünf Friedhöfen etwas Neues und Vernünftiges zu sagen,

ist gar nicht so einfach.

 

Dass jüdische Friedhöfe vergessen sind, ist kein Wunder.

Es sind nicht viele übrig geblieben, die an diesen Gräbern beten können.

Niemand aus unserer Generation ist daran schuldig

Und keinem wird die Rechnung dafür präsentiert.

Wir sind von den Folgen dieser Zeit betroffen,

obwohl wir nicht dabei waren.

 

Wir sind freiwillig hier.

Wir versuchen aus dem Friedhof der Hoffnungslosigkeit ein Zeichen der Hoffnung zu machen.

Es ist wie ganz oft: jemand muss anfangen und den Spaten in die Hand nehmen,

und der Zündfunke wird etwas in Preili bewegen.

 

Das ändert vielleicht alles,

dass Letten und Deutsche sich auf Augenhöhe begegnen,

dass Alte und Junge ihre Stärken voneinander lernen,

dass Religionen sich nicht gegenseitig ausschliessen,

dass Israelis und Palästinenser gemeinsam Kaffee trinken,

dass Europäer und Migranten ein Leben miteinander fördern.

 

Mein konkreter Wunsch ist,

dass wir dies Projekt 2014 gemeinsam weiterführen.

Klaus

 

 

 

Kaddish

Yit-ga-dal v’yit-ka-dash sh’mei ra-ba, (A-mein.)

Erhoben und geheiligt werde sein grosser Name

b’al-ma di-v’ra chi-ru-tei, v’yam-lich mal-chu-tei
auf der Welt, die nach seinem Willen von ihm erschaffen wurde

b’chai-yei-chon uv’yo-mei-chon uv’chai-yei d’chol beit Yis-ra-eil,
Sein Reich entstehe in eurem Leben in euren Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel

ba-a-ga-la u-viz-man ka-riv, v’im’ru: A-mein. (A-mein.)
schnell und in nächster Zeit und sprecht: Amejn.
Y’hei sh’mei ra-ba m’va-rach l’a-lam ul’al-mei al-ma-ya.
Sein grosser Name sei gelobt, in Ewigkeit und Ewigkeit der Ewigkeiten!
Yit-ba-rach v’yish-ta-bach,
Es sei gelobt und verherrlicht

v’yit-pa-ar v’yit-ro-mam v’yit-na-sei,
und erhoben und gefeiert

v’yit-ha-dar v’yit-a-leh v’yit-ha-lal, sh’mei d’ku-d’sha, b’rich hu, (b’rich hu)

und hocherhoben und erhöht und gepriesen der Name des Heiligen, gelobt sei er,

l’ei-la min kol bir-cha-ta v’shi-ra-ta,
hoch hinaus über jede Lobpreisung und jedes Lied,

tush-b’chata v’ne-che-mata, da-a-mi-ran b’al-ma, v’im’ru: A-mein.  (A-mein.)
jede Verherrlichung und jedes Trostwort, welche jemals in der Welt gesprochen, Und sprecht: Amejn.

Y’hei shem Adonaj m’worach m’atah w’ad olam

Es sei der Name des EWIGEN gelobt, von nun an bis in Ewigkeit!

Y’hei sh’la-ma ra-ba min sh’ma-ya,
Es sei Fülle des Friedens vom Himmel herab,

v’chai-yim, a-lei-nu v’al kol Yis-ra-eil, v’im’ru: A-mein.  (A-mein.)
und Leben, über uns und über ganz Israel, und sprecht: Amejn.

A’seri me’im Adonaj, oseh shamajim waArez.
Meine Hilfe kommt vom EWIGEN, dem Schöpfer des Himmels und der Erde.

O-seh sha-lom bim-ro-mav,
Der Frieden schafft in seinen Höhen,

hu ya-a-seh sha-lom a-lei-nu v’al kol Yis-ra-eil, v’im’ru: A-mein.  (A-mein.)
er schaffe Frieden unter uns und über ganz Israel, und sprecht: Amejn.