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Camp Kraslava 04.-16.08.2019

04.08.2019 Anreisetag

Die Anreise mit AirBaltic ist zwar von der Reisedauer angenehm, aber sehr spät, wenn man noch 3 Stunden zu fahren hat. Vielleicht dann doch besser eine Nacht in Riga bleiben.

05.08.2019 Montag

Der Bauhof ist zwar da, aber sie bringen erst Morgen Werkzeug, Zement, Sand und Wasser. Aber wir können wenigstens mit unserem eigenen Werkzeug anfangen.

Es stehen drei neue Steine am Zaun, alle hintereinander, Bildseite zur Mauer. Da sie Zahlen tragen, sehen wir nach: es gibt vier neue Steine unter der entsprechenden Nummer, die die alten ersetzt haben. Da wollte vielleicht jemand die Entsorgungskosten sparen, machte es aber uns damit leicht, die Veränderung zu erkennen. Erstaunlich: ein Stein ist mit einem Kreuz auf der Grababdeckung gekennzeichnet, die anderen mit Davidsstern.

Wir fangen an, im Sektor 3 die Steine, die aufgerichtet werden müssen, vorzubereiten. Ebenso Steine im hinteren Teil von Sektor 2 (ab Reihe 14 etwa). Die beiden Steine im Hügel am Eingang werden ebenfalls vorbereitet.

Alle Steine in Sektor 3 bekommen eine vorläufige Nummer zum Teil erstmal auf die Rückseite geschrieben.

Wir schlagen Hebel und Bäume für Rollen (in der Hoffnung, dass morgen jemand mit eine Kettensäge kommt. Auch das, was im Urwald rausgeschlagen werden muss, wir gekennzeichnet. Ansonsten haben die Neuen Zeit zur Orientierung.

06.08.2019 Dienstag

Zement, Sand und Wasser sind da und dazu auch genügend Werkzeug. Die Baumstämme zersägen wir zu Rollen, da unklar ist, wann der Kettensägenmann kommt. Damit können die beiden Steine im Hügel zu ihrem neuen Platz an der Mauer gerollt werden (jetzt die beiden letzten und dann noch die Drei aus Feld 1. Wir entscheiden, dass die neuen zwar fotografiert werden, aber keine Nummer kriegen, und auf der Karte wird vermerkt, dass die ursprünglichen Steine jetzt ganz am Ende an der Mauer stehen.

Die Steine in Sektor 3 bekommen eine dauerhafte Nummer, ausser denen, die noch aufgerichtet werden müssen. Die noch fehlenden Nummern im Sektor 2 werden nachgetragen.

Daneben werden zweistellig Steine aufgerichtet und einzementiert. Zahlreiche weitere werden zum Einzementieren vorbereitet. Rechts neben dem Eingang zum Dschungel entsteht ein weiterer Zugang zum Dschungel mit sicher 20 weiteren Steinen, die wir bisher gar nicht gesehen haben. Auch im Dschungel werden weitere Steine gefunden.

07.08.2019 Mittwoch

Der Kettensägenmann war da und hat den grossen Baum in Sektor 2 umgelegt und auch die Schneise in den Dschungel auf 5m Breite gebracht. Da müsste von uns nur noch das Kleinzeug rausgeschlagen werden.Dann kommt jemand vom Lokalradio um ein Interview mit Teilnehmern der Gruppe zu machen. Er macht auch Fotos?

Die Kartographierung und das Fotographieren der Steine von Sektor 3 beginnt. Leider waren dann doch nicht alle Grabnummern richtig. Auf einigen Grabsteinen steht unter „Zion“ das Wort „Grab“.

Es werden vor allem Steine aufgerichtet, vorzugsweise die schwierigen.

Gleb und Alexei kommen. Gleb meint, dass eine Stiftung in Kraslava hilfreich wäre um kommunale Gelder für den Friedhof zu bekommen. Ob wir jemand zur Anleitung schicken können, wenn er eine Gruppe aus Kraslava zusammen bekommt, die da weiterarbeitet, wo wir aufhören werden. Es gibt viele Ideen, von denen unklar ist, ob sie zu realisieren sind. Die zwei wichtigsten: den Friedhof zur Nutzung freizugeben (es gibt immerhin eine Fläche südlich und Westlich von Sektor 3, die bisher nicht genutzt ist. Und vielleicht angeregt durch die neuen Grabsteine in Sektor 1 für Menschen aus allen Religionen). Zweitens können man neben dem Eingang ein Haus errichten, das im grösseren Teil ein Museum zur jüdischen Geschichte und Kultur enthält (der Teil im aktuellen Museum ist sehr klein und teilweise unrichtig). Im kleineren Teil einen Raum zur Vorbereitung der Toten auf die Beerdigung und der Möglichkeit sich nach dem Besuch die Hände zu waschen (rituell wichtig für Menschen jüdischen Glaubens). Durch das Museum wären feste Öffnungszeiten des Friedhofs gegeben.

Gleb weiss, dass nächste Woche David Silbermann und seine Söhne kommen werden.

08.08.2019 Donnerstag

Heute sind einige wirklich schwere Steine im Sektor 3 dran (Marmor bis zu 800kg). Um schneller voran zu kommen haben wir ein zweites Zementteam bebildet. Die fotographischen Aufnahmen gehen weiter. Leider unterbricht heftiger Regen die Arbeiten ab 11:15 Uhr.

09.08.2019 Freitag

Wir kommen sehr zügig voran. Auch der schwere Mamorstein kann aufgerichtet werden. Der Sektor 3 wird im Prinzip abgeschlossen, obwohl wir noch Steine finden. Es gibt eine zerbrochene Grabplatte, aber wir finden beide Teile.

Ein Stein liegt unter einem Ameisenhaufen und wird da so liegen bleiben. Ein weiterer Stein liegt unmittelbar daneben und was mit dem geschieht entscheiden wir später. Fast alle Steine sind zementiert. Es müssen nur noch die Löcher beseitigt werden. Die Karte von Sektor 3 wird korrigiert. 

Im Sektor 2 richten wir weitere Steine auf. Wenn das Wetter es zulässt, werden wir morgen in den Dschungel gehen können.

10.08.2019 Samstag

Wir haben dann doch noch ein paar Steine in Sektor 3 gefunden. Einen davon werden wir Montag aufstellen müssen. Es ist kein Zement mehr da und auch Wasser und Sand sind knapp (werden wir alles frühestens Montag bekommen).

Einige fundamentierte Löcher werden zugeschüttet, aber wir brauchen ziemlich viel Erde dafür (wahrscheinlich aus dem Wald).

Wir beginnen den Dschungel auszulichten. Dabei finden wir einen Stein, der mehr als 150cm breit ist und entsprechend dick und hoch. Zum Glück steht der Stein. Es könnte sein, dass wir auf 800 Steine kommen. Damit wäre es einer der grössten Friedhöfe in Lettland.

11.08.2019 Sonntag

arbeitsfrei, aber wir haben ein Treffen in Subate wegen des Friedhofs für 2020.

Dan Rubanenko aus Riga, eine Mitarbeiterin von ihm (Kristine) und die lokale Bürgermeisterin waren da. Dan erzählt von der Geschichte der Juden im Ort (er stammt aus Subate) und den Erschiessungen.

Der Friedhof ist klein (Arbeit für ein Camp). Er liegt direkt an einem der drei Seen im Ort. Es gibt zwei Friedhofsteile, den chasidischen, der auch einen Zaun hatte und einen für Misnagdim, etwa gleich gross, der auf einem Hügel liegt. Das ist leider für die Karte schwierig. Es gab auch zwei Synagogen. Vielleicht 100 Steine sind sichtbar. Wir schätzen, dass 25% weitere Steine unter der Erde liegen (mehr als bisher üblich).

Die beiden Erschiessungsstellen liegen fussläufig östlich vom Friedhof und sind gepflegt. Eine Überlebende lebt wohl noch in Subate und könnte befragt werden.

Eine Schwierigkeit ist sicher das Wurzelwerk. Es wäre schön, wenn wir das grösstenteils rausreissen könnten. Vielleicht geht das mit Fliesenmeisseln. Wir sollten – wenn wir das Geld haben – einen Zaun um beide Teile des Friedhofs machen und ein Torbogen mit Davidsstern zum See. Dazu müssten ein paar Bäume hinter dem Eingangsbereich abgesägt werden. Wege aus Rindenmulch könnten sinnvoll sein. Es wäre schön, wenn wir ein paar Bänke aufstellen könnten.

Dan Rubanenko bietet an, uns eine Nacht in Riga unterzubringen, wenn wir wieder einen so späten Flug haben (seine Firma baut Hotels und Wohnungen).

12.08.2019 Montag

Heute ist die Luft raus (siehe letzte Nacht). Es wird heute fleissig fotografiert, weil wir festgestellt haben, dass wir lange nicht alle Steine haben. Da wir wieder Zement haben, werden auch wieder Steine zementiert. Im kleinen Dschungel wird viel rausgeschlagen und dort finden wir mehr als 70 Steine. D.h. wir werden sicher auf über 800 möglicherweise sogar 900 Steine kommen. Auch am Beginn des Dschungels gibt es wie im Sektor 3 einen Stein mit nur drei Namen „Jakob, Josef, Sebi?“

13.08.2019 Dienstag

Heute regnet es erstmal wieder. Wir fangen später an. Es werden vor allem Restarbeiten in Sektor 2 und 3 erledigt, z.B. der grosse Stein neben dem Ameisenhaufen und der grosse Steine neben dem Baum an den beiden Gedenktafeln.

Dabei wird der Flaschenzug ausprobiert und er funktioniert deutlich besser als erwartet.

Es sieht so aus, dass die Karte mit dem heutigen Stand übereinstimmt. Es fehlen noch viele Fotos.

Dann wird hinten am Dschungel angefangen Steine aufzurichten. Wir finden auch weitere. Vom Sektor 2 zum grossen Dschungel wird der Eingang verbreitert.

14.08.2019 Mittwoch

Offensichtlich sind die Silbermanns gestern Nachmittag/Abend dagewesen, denn auf den beiden Steinen der Familie liegen drei zusätzliche Steine.

Wir räumen in Sektor 2 und 3 auf. Im Eingang zum grossen Dschungel werden Steine aufgestellt. Der Zugang von Sektor 2 ist jetzt so breit, dass man die ersten einzelnen Steine im Dschungel gut sehen kann. Die Hoffnung ist, dass Kraslava von daher weiter macht, wo wir morgen aufhören müssen.

Gleb kommt noch mal, um seine Ideen vorzutragen. Eine neue Idee ist, eine Pilgerkarte für etwa 6 jüdische Friedhöfe und andere jüdische Erinnungsorte um Kraslava zu machen. Vielleicht können wir morgen darüber mit der Stadt bei der Abschlussfeier reden.

15.08.2019 Donnerstag

Trotz fünf Rasierschaum kommen wir damit nicht aus und damit ist auch nicht alles fotographiert.

Im Sektor 1 setzt eine Firma einen Grabstein neu. Gut zu sehen, dass die beiden Männer keine Ahnung haben und fast alle von uns das besser könnten.

Ganz geringfügig wird noch etwas im Dschungel freigeschlagen.

Es ist dann doch viel Müll einzusammeln.

16:00 Feier in der Tourismusinformation: der Vizebürgermeister (machte den Eindruck, dass er auf dem Friedhof war), Inara und Jolanta. Gleb ist leider nicht gekommen. Den braunen Wegweiser und ein Schild am Friedhof fanden sie gut. Auch die Idee einer Pilgerkarte kam gut an.

Anika bringt unser Werkzeug nach Subate.

16.08.2019 Freitag

Abreisetag. Wir haben noch einen Termin in Riga in der jüdischen Gemeinde.

Der deutsche Botschafter kommt. Die israelische hat leider für Ihre Rückreise die Spedition im Haus. Ausserdem kommt Dan Rubanenko. Wir besprechen mit ihm noch einmal Subate. Er möchte gerne einen Plan haben, wann wir kommen und was wir machen wollen und was das kosten könnte.

Ilya Lensky fragt nach einigen guten Fotos (z.B. vom Grab des Beschneiders) für ein Journal der europäischen Juden.

 

 

Keep in Touch (Hannah)

„Keep in touch“, that’s a simple thing we say when we meet each other and depart again, each going our separate ways. Some of us have said it last year, when we were in the same place as we are now. We had a somewhat similar group, some of these people have been here last year, and we told each other to keep in touch. How did that work out? Well, while some of us did keep in touch, more or less regularly, not everybody did; at least not in the „usual way“.

But even those of us who did not talk to each other much during the last year met here again, and even the participants who were here last year but are not here now stayed in touch in an interesting way, and that is through the work we do here. While we are here it unites us; we’re a team. While we’re away we keep the memories we make here, and they are very special. Only very few people on this planet can relate to the phrase „I spend my summers restoring Jewish cemeteries“. All of us can relate, though, and it keeps us together even when we are not here. It keeps us connected, to each other, to people who have done this before us, and to those who support us.

By doing this work, we can keep in touch with a special group of people, the group to which it is important that this work is done. That this work is done continuously and cautiously. And that this work is documented, so that we can get in touch with even more people, in the present and the future, and all over the world.
That is also what brought people from different countries to visit us these last few days, very different people. Old and young, and with various stories and connections to us and our work. Some have supported us for many years, some have only heard of our work recently. But they all kept in touch, even though it is not easy; It takes effort. We have to make an effort to come and work here. And the people who came and supported us during this year‘s project had to make the effort to do so.

The beautiful thing is: we all did, we all made the effort. We all kept in touch, in one way or another. Because it is worth it to all of us. The memory of this Jewish cemetery and all the stories it contains is worth to be kept. Kraslava‘s Jewish history is worth to be remembered. And it is worth it to do international projects with very different participants, working together with Krāslava town to keep history alive and create a future together. It is a beautiful feeling to know that all these people here, and those who support us elsewhere, agree with that.

We want to thank the city of Kraslava for having us this second time, and we hope that we can all keep in touch – with each other, with the people of Kraslava, with the cemetary and Kraslavas Jewish heritage and history. We don’t need to talk to each other every day, but if this work we did will be conserved and continued by locals, it will keep all of us and many other people and places connected in a very special and, I think, beautiful way of remembering. Thank you.